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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kleiner Tipp zum Entlöten von fiesen Bauteilen



vbaumann
17-12-2006, 20:30
Häufig ist es erforderlich Bauteile wie Keramikkondensatoren, kleine Dioden, kleine Widerstände mit geringer Leistung oder Ähnliches schonend und ohne Beschädigung der Leiterbahnen auszulöten.

Für alle, die noch nicht so viel Löterfahrung haben, hier eine kleine Anleitung, wie man Bauteile mit maschinell umgebogenen Lötkontakten schonend für Bauteil und Platine auslötet.

Die Lötkontakte - alias Beinchen - werden beim Herstellungsprozess maschinell auf die richtige Länge gekürzt, dann wird die Platine bestückt und schließlich werden die Beinchen auf der Kontaktseite umgebogen und die Bauteile damit auf der Platine fixiert, damit sie beim späteren Reflow-Löten nicht herausfallen. (Siehe Bild Nr.1)

Da bei Bauteilen mit geringer Leistung die Leiterbahnen und Lötstellen auf Platinen häufig sehr schmal sind, besteht die Gefahr beim Auslöten die Metallbahn vom Trägermaterial abzureißen.

Für gewöhnlich lötet man Bauteile mit zwei Beinchen auf die einfachste Art und Weise aus: Man zieht mit einer Pinzette am Bauteil und erhitzt auf der Kontaktseite die Lötstellen. Dabei zieht man so stark am Bauteil, so dass sich die Beinchen an der umgebogenen Stelle verbiegen und das Bauteil herausgezogen werden kann. Das Problem ist, hat man eine Seite z.B. eines Widerstandes herausgelötet, reicht es den Widerstand unvorsichtig zu berühren und auf der anderen, noch nicht herausgelöteten Seite hebt sich die Leiterbahn auf grund der Hebelwirkung ab. Sowas ist sehr ärgerlich. Auch werden Bauteile durch das starke ziehen oft beschädigt - so verlieren Keramikkondensatoren Teile ihrer Isolierung oder der Farbcode an Widerständen wird abgekratzt.

Ein hervorragendes Hilfsmittel beim Entlöten von Bauteilen aus Platinen mit einem Kontaktlayer ist die Entlötsauglitze. Sie besteht aus feinen Kupferdrähten und ist mit Flussmittel getränkt. Damit läst sich flüssiges Lötzinn wie Tinte mit Löschpapier aufsaugen und eine Lötstelle freimachen. (Siehe Bild Nr.2)

Problematisch ist bei Bauteilen mit umgebogenen Kontakten, dass sich das Lötzinn unterhalb des umgebogenen Kontaktabschnitts "sehr schlecht" bis "gar nicht" mit der Litze absaugen lässt. (Siehe Bild Nr.3) Rüttelt man jetzt an dem Bauteil oder bewegt man es hin und her besteht wieder die Gefahr dass sich die Leiterbahn ablöst, den das Beinchen ist jetzt nicht mehr an der ganzen Lötstellenfläche befestigt sondern lediglich an dem Teil, welcher durch das umgebogene Stück verdeckt wird. Hier könnte man mit einer Pinzette ran, die Lötstelle erneut erhitzen und das Beinchen während dessen geradebiegen und es auf diese Weise freimachen. Das Problem ist, dass die Wärmeleitung an der Lötstelle durch das fehlende Lötzinn, das man ja vorher abgesaugt hat, nicht mehr so gut ist. Dadurch kann es passieren, dass das Lötzinn unterhalb des Beinchens nicht wirklich geschmolzen ist und man beim geradebiegen wiederum die Leiterbahn abhebt.

Soviel zur Einleitung, jetzt zum eigentlichen Teil:

Man benötigt neben der Entlötlitze und einem Lötkolben etwas Flussmittel, am besten sog. Löthonig und eine spitze Pinzette. (Siehe Bild Nr.4)

Bei mir hat sich folgendes Vorgehen sehr gut bewährt:
Man erhitzt die Kontaktstelle ALS ERSTES und biegt das Beinchen mit der Pinzette um. (Siehe Bild Nr.5)
Nun ist das Beinchen gerade und rundum gut zugänglich. (Siehe Bild Nr.6)
Jetzt noch etwas Löthonig drauf damit's gut flutscht (Siehe Bild Nr.7) und mit der Litze absaugen.
Das Ergebnis ist eine rundum saubere Lötstelle. (Siehe Bild Nr.8)
Jetzt das Ganze an dem anderen Beinchen wiederholen und das Bauteil fällt einem regelrecht entgegen und ist völlig unbeschadet.
Dann die Stelle noch mit etwas Flussmittelentferner saubermachen und die Lötstelle sieht aus wie Fabrikneu und wartet nur darauf mit dem nötigen Ersatzteil bestückt zu werden. (Siehe Bild Nr.9)

Natürlich funktioniert diese Technik hervorragend auch bei Bauteilen mit mehr als zwei Beinchen.

In diesem Sinne, viele Grüße, Vasilij


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Diese Anleitung ist lediglich ein Erfahrungsbericht. Eine Haftung für entstehende Sach- oder Personenschäden kann nicht abgeleitet werden.

golytronic
18-12-2006, 01:29
dies ist sinnvoll und ich mag für den Hobbybastler am weekend folgendes hinzufügen :

warum nimmst du nicht Antennenkabel, die Masse bewirkt das gleiche ;)

der Tip ist gut, jedoch Finger weg, wenn ihr nicht wisst was ihr tut !

vbaumann
18-12-2006, 13:25
Klar, wie immer gilt: Arbeiten an Geräten dürfen nur von Fachpersonal durchgeführt werden. Dieser Tipp dient auchließlich zur Anwendung an ungefährlichen Schaltungen, an welchen auch der Hobby-Elektroniker arbeiten darf.

golytronic
18-12-2006, 19:45
will mich noch bedanken sowie das Adminteam bei dir für die sehr aufschlussreiche Beschreibung.






Danke !!!!:)

Willi.O
18-12-2006, 19:57
Ich entlöte ganz anders.....

400° einstellen,
dann den Lötkolben in die Ecke schmeißen
und das geschmolztene Lötgut durchs Loch pusten,
genauso wie man Ostereier leer pustet....

Habs mal mit nem Kopressor weggepustet ist nicht so der Hit, kommt kalte Luft raus :D :D

mrdo!
19-12-2006, 07:32
Ist natürlich auch ne Methode!

Aber noch ein Tip zum Auslöten großer Teile aus Platinen, die ausgeschlachtet werden: Heissluftfön! Platine mit Gefühl so lange erhitzen, bis das Lot um das Bauteil schmilzt.
Wenn man z.B. einen 68000er Prozessor auslöten will, ist das die schnellste Art.

brwony
01-06-2012, 09:16
Ist natürlich auch ne Methode!

Aber noch ein Tip zum Auslöten großer Teile aus Platinen, die ausgeschlachtet werden: Heissluftfön! Platine mit Gefühl so lange erhitzen, bis das Lot um das Bauteil schmilzt.
Wenn man z.B. einen 68000er Prozessor auslöten will, ist das die schnellste Art.

Finde ich auch die beste Methode!

Astrocade
17-08-2012, 14:58
einen 6 jahre alten thread ausgegraben......und ein vollzitat...........respekt

mikemcbike
21-08-2012, 15:18
... und das nach zweieinhalb Monaten erst gemerkt... Wow...

:p

Grüßle,
Mike McBike

HIGHENDER
07-12-2012, 13:54
geil geil geil :D

Gameboy
25-02-2013, 13:04
cooler Beitrag. Hat mir total was gebracht, danke.

raumschiff
06-06-2014, 23:21
@ vbaumann ,

Danke für diesen Beitrag.Ich habe letztens einen Soundchip mit 8 Pins ausgelötet
und das war kein Honigschlecken.Ich hatte auch die Entlötlize benutzt aber vom Löthonig wusste
ich noch nichts.Da werde ich mir demnächst gleich mal einen Topf voll besorgen.

back to 90s
04-11-2014, 21:39
Hallo liebe Arcade-Freunde,
ich finde die Beiträge und Tips hier über das Löten echt klasse...da ich das auch gerne hobbymäsig mache, teils auch beruflich.

Habe da schon einiges an Erfahrung sammeln können.
...Ich muss auch den Leuten recht geben, die sagen wer nicht weiss was er tut solle die Finger weg lassen...aber ich bin auch der Meinung, dass wenn man sich ernsthaft mit den Grundlagen der Elektrotechnik auseinandersetzt und vor allem die 5 Sicherheitsregeln beachtet (falls nicht bekannt bitte googeln) bestimmt auch gut Ergebnisse zustande bringen kann und mit der Zeit auch immer besser wird.

Wer so gut wie keine Erfahrung beim löten hat sollte vielleicht erstmal an einer Schrott-Platine üben, Bauteile auszulöten.
(Vorsicht beim Ausbau großer Kondensatoren, die Können wie eine Batterie noch geladen sein...Beim Einbau NIEMALS + und - vertauschen...Explosionsgefahr)
Bis vor einem Jahr habe ich immer eine Entlötsaugpumpe zum entlöten benutzt. Das hat auch in den meisten Fällen gut funktioniert.
Da immer mehr Sachen mit vielen Beinchen zu entlöten waren, wie zb. AES Bios oder Mega CD Bios habe ich mir eine Lötstation mit Absaugung zugelegt (die sind teilweise günstiger als man denkt)

Dann noch viel Spaß beim basteln :)

mikemcbike
05-11-2014, 09:04
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:

http://www.wolfgangrobel.de/arcadetech/loet.htm